ABSTRACTS
Totalprothese im digitalen Workflow: Chancen und Kompromisse
Die Zahnärztliche Prothetik befasst sich mit der Entwicklung bzw. Herstellung von künstlichem Ersatz für fehlende Zähne, Kiefer- und Gesichtsteile. Die moderne Zahnmedizin ermöglicht es die Funktionen eines verlorenen Zahnes und die ihn verankernden Strukturen durch synthetische Materialien wiederherzustellen. Der Vortrag gibt einen Überblick und Ausblick über die aktuellen Werkstoffe vom Implantat über den Knochenersatz bis zur Krone.

Prof. Dr. Jeremias Hey, M.Sc., MME

Prof. Dr. Dr. Greta Barbe
Ist lebenslanger Zahnerhalt möglich? Parodontitis im höheren Alter mit strukturierten, evidenzbasierten Strategien begegnen
Parodontitis stellt in Deutschland eine der häufigsten chronischen Erkrankungen dar und betrifft sowohl jüngere als auch ältere Seniorinnen und Senioren in hoher Prävalenz. Die aktuellen Ergebnisse der Deutschen Mundgesundheitsstudie VI (DMS VI) zeigen, dass parodontale Erkrankungen im höheren Lebensalter weiterhin weit verbreitet sind und eine erhebliche Herausforderung für die zahnärztliche Versorgung darstellen. Dieser Entwicklung muss konsequent mit strukturierten, evidenzbasierten Behandlungsstrategien begegnet werden.
Neben der etablierten parodontalen Versorgungsstrecke stehen heute zahlreiche präventive und therapeutische Maßnahmen zur Verfügung, die eine effektive Kontrolle der Erkrankung ermöglichen und gleichzeitig mögliche systemische Auswirkungen der Parodontitis berücksichtigen. Der Vortrag stellt diese Konzepte vor, beleuchtet deren Nutzen insbesondere im höheren Lebensalter und bewertet sie kritisch im Hinblick auf die aktuelle wissenschaftliche Evidenz. Ziel ist es, praxisrelevante Strategien aufzuzeigen, die eine nachhaltige parodontale Gesundheit auch bei älteren und pflegebedürftigen Patientinnen und Patienten unterstützen.
Zahnersatz am Lebensende – einfach, elegant, effektiv
Wer gut kauen kann, bleibt länger fit – körperlich und kognitiv! Die Fähigkeit, ohne Schmerzen kauen zu können, ist im Alter, bei Pflegebedürftigkeit und gerade am Lebensende von großer Bedeutung. Mangelernährung ist für die Gebrechlichkeit ein Brandbeschleuniger.
Parodontitis, kariöse, gelockerte oder abgebrochene Zähne, dezementierte Kronen und Brücken sowie Druckstellen, Prothesensprünge bzw. Prothesenbrüche, schlechter Halt oder der Verlust einer Prothese – es gibt viele Gründe, warum die Kaufähigkeit beeinträchtigt sein kann.
Wie können Pflegekräfte für die Probleme im Mund sensibilisiert werden? Welche Möglichkeiten bieten die neuen parodontologischen Versorgungsstrecken für vulnerable Patientengruppen, die eigenen Zähne und Zahnersatz möglichst lange in Funktion zu halten? Wie können wir bei Menschen mit körperlichen bzw. kognitiven Einschränkungen möglichen Komplikationen bei Zahnersatz begegnen? Macht es Sinn, neuen Zahnersatz zu planen? Worauf sollten wir dabei achten? Auf alle diese Fragen will der Vortrag Antworten geben.

Prof. Dr. Elmar Ludwig

Prof. Dr. Sebastian Hahnel
Abnehmbarer Zahnersatz – noch immer eine Option?
Abnehmbarer Zahnersatz spielt nach wie vor eine große Rolle im prothetischen Werkzeugkasten, wenngleich sich in der sich verändernden Bevölkerung andere Anforderungen ergeben. Vor diesem Hintergrund möchte der Vortrag moderne Werkstoffe und Verarbeitungsoptionen zur Herstellung von abnehmbarem Zahnersatz sowie differenzierte Versorgungskonzepte erläutern und diskutieren.
Wurzelkaries – was tun, wenn es am Kronenrand kariös wird?
Der demographische Wandel führt dazu, dass immer mehr Best Ager, Senioren und Betagte die zahnärztliche Praxis aufsuchen. Mit zunehmendem Alter verändert sich jedoch nicht nur das körperliche Befinden, sondern auch in vielen Fällen die intraorale Situation. Dazu zählen unter anderem die Freilegung von Wurzeloberflächen, aber auch die Reduktion des Speichelflusses und mögliche Einschränkungen in der Mundhygiene(-fähigkeit). Wirken diese Faktoren zusammen, dann besteht für die freigelegten Wurzeloberflächen ein erhöhtes Kariesrisiko. Wurzelkaries ist ein gut bekanntes aber auch gefürchtetes Phänomen in der zahnärztlichen Praxis, denn sie ist oftmals rasch progredient und mitunter schwierig zu behandeln. Es ist daher besonders wichtig, Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig individualisierte Präventionskonzepte, welche die Besonderheiten der Wurzeloberfläche und des Wurzeldentins berücksichtigen, zu etablieren. Das sollte möglichst vor dem ersten Auftreten altersbedingter Veränderungen in der Mundhöhle erfolgen, um einen bestmöglichen Zahnerhalt zu ermöglichen. Der Vortrag soll neben Ursachen für ein erhöhtes Wurzelkariesrisiko vor allem leitliniengerechte Präventionskonzepte und Möglichkeiten zur Therapie aufzeigen.

Prof. Dr. Nadine Schlüter

Prof. Dr. Dr. Walter Lückerath
Moderne Planung und therapeutischer Workflow bei komplexen Totalrehabilitationen des Kauorganes
Das Ziel heutiger komplexer implantatprothetischer Gesamtrekonstruktionen des Kauorganes liegt in der Erhöhung der funktionellen und ästhetischen Qualität der Versorgung und dem Erreichen einer hohen Langzeitstabilität bei gleichzeitiger Minimierung des Behandlungsrisikos für den Patienten und den behandelnden Zahnarzt.
Der Erfolg der Behandlung und damit die Zufriedenheit des Patienten ist dabei vor allem von dem für den Patienten sichtbaren und wahrgenommenen Endergebnis der
prothetischen Rehabilitation abhängig. Konventionell wird eine prothetische Planung ausgehend von den Wünschen und Möglichkeiten des Patienten vor allem durch die zahnmedizinische Einschätzung der Erhaltungswürdigkeit des Restzahnbestandes geleitet.
Das Konzept der volumenbasierten prothetischen Rückwärtsplanung dagegen definiert zunächst die virtuelle Endposition der definitiven prothetischen Rekonstruktion. Damit sind die späteren, aber jetzt schon zu berücksichtigenden Volumina des Zahnersatzes bekannt. Durch Subtraktion der notwendigen Volumina, z.B. der Dicke der optimalen Verblendungsschicht, der notwendige Dimen-sionierung des gewählten Gerüstwerkstoffes, der Raumpositionen der Präparationsflächen der zu präparierenden Zähne, oder implantatbasiert, der Außenfläche der individuellen Abutments können die notwendigen Therapieschritte simuliert und evtl. Problempunkte frühzeitig erkannt und in der Vorbe- handlungsphase antizipiert werden.
Aus einem „dann schauen wir mal“ wird eine zielgerichtet ablaufende Therapie mit Garantie des späteren rekonstruktiven und ästhetischen Rehabilitationserfolges.
An einer Vielzahl von klinischen Beispielen werden die diagnostischen und rekonstruktiven Prinzipien erläutert. Dabei kommt der allgemeinen und speziellen medizinischen Diagnostik eine besondere Bedeutung für den sinnvollen Aufbau eines zielgerichteten therapeutischen Workflows zu. Dieser beinhaltet zum Beispiel die konzeptgesteuerte Stabilisierung eines erkrankten Kiefergelenkes, die Festlegung und Übertragung einer therapeutischen Unterkieferposition bis hin zur Auswahl des Ankopplungsverfahrens der festsitzenden oder abnehmbaren Rekonstruktion an die natürlichen und/oder künstlichen Pfeiler.
Zahnfehlbildungen und Nichtanlagen – interdisziplinäre prothetische Therapie vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter
Die Zahl der betroffenen Patient*innen mit Zahnfehlbildungen und Zahnnichtanlagen nimmt stetig zu, wobei die Befunde von diskreten Mineralisationsstörungen bis hin zu ausgeprägten komplexen pathologischen Veränderungen reichen, die häufig schon frühzeitig eine prothetische Versorgung notwendig machen. Hierfür sind an die Gebissentwicklung angepasste langfristige Therapiekonzepte in enger interdisziplinärer Abstimmung mit den anderen zahnärztlichen Fachdisziplinen erforderlich.
In diesem Kontext werden im Vortrag zunächst die äthiologischen und pathologischen Grundlagen der verschiedenen Krankheitsbilder kurz besprochen, um bereits aufgrund des zahnärztlichen Befundes eine grundsätzliche Diagnose/Differentialdiagnose stellen zu können. Hierauf basierend werden dann befundbezogen Therapiekonzepte vorgestellt, die es ermöglichen sollen, die Betroffenen vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter prothetisch adäquat zu versorgen.

